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Farbkonzept Plattenbaugebiet West

Farb- und Gestaltungskonzept für eine Plattenbausiedlung


Seitens der Wohnungsbaugesellschft Reichenbach mbH, der Eigentümerin einer großen Anzahl der Wohnblocks im Plattenbaugebiet West in Reichenbach, wurde der Wunsch nach einem neuen, auf alle Blocks anwendbaren, zeitgemäßen und konzepthaltigen Gestaltungsvorschlag geäußert. Folgende Parameter galt es hierbei zu berücksichtigen: Die Kosten für eine Fassadensanierung und farbliche Neugestaltung sollen moderat bleiben, sodass auch nach der Ertüchtigung die Wohnungen zu niedrigen Preisen angeboten werden sollen.

  1. Das Gestaltungskonzept soll vorerst punktuell im Gebiet Albert-Schweitzer-Straße / Prof.-Schmidt-Straße angewandt werden, soll jedoch mittel- bis langfristig auch auf weitere Teile das Plattenbaugebietes ausgeweitet werden können.
  2. Der zu sanierende Gebäudebestand umfasst zum einen verschiedene Typen des Plattenbaus, zum anderen ist ein Teilrückbau von Blocks (Abtragung von Geschossen) vorgesehen. Das Konzept soll demzufolge auf unterschiedliche Plattenbautypen, Geschossigkeiten und Wohnblockgrößen anwendbar sein.
  3. Die Fassadengestaltung soll die Gebäude optisch aufwerten und einen Impuls für die städtebauliche Modernisierung der Stadt Reichenbach geben.
  4. Das Konzept zur Farbgestaltung soll möglichst viel Spielraum in der Anwendung der gewählten Farben lassen, ohne daß das Konzept aufgeweicht wird.
  5. Obwohl gestalterisch nicht optimal, muss auf die in den letzten Jahren hinzugefügten Balkonanbauten Rücksicht genommen werden. Abriss und Ersatz sind kostenseitig und politisch nicht darstellbar. Sowohl die ursprüngliche und damit plattenbautypgerechten, als auch die später angebauten Balkone sind deshalb in das Konzept einzubeziehen.
  6. Von einem Erhalt des bestehenden Fassadenbildes hinsichtlich der vorhandenen Fenster ist auszugehen.

Aus der von der WBG Reichenbach formulierten Aufgabenstellung mit ihren zwingend zu berücksichtigenden Parametern haben wir zusätzliche Entwurfskriterien und Zielstellungen als Mehrwert gegenüber älteren, regional und überregional weit verbreiteten Herangehensweisen formuliert und die Forderungen präzisiert:

Konzepthaltige Gestaltung

Das Konzept soll einen direkten, tiefen Bezug zum Gebäude aufnehmen und sich nicht, wie üblich, in grafischer Anordnung von aufeinander abgestimmten, zeitlichen Trends unterliegenden Farbflächen erschöpfen.

Individualität, Wiedererkennungswert

Das Konzept soll den Bewohnern die Möglichkeit geben, sich mit ihrer Wohnsituation zu identifizieren. Somit soll die dem Gebäudetyp fremde Individualität indirekt in der positiven Wahrnehmung der innovativen Gestaltung und der damit verbundenen Identifikation geschaffen werden.

Aufwertung der Bausubstanz

Die bestehende, typische DDR-Plattenbauarchitektur soll als Bestandteil der kommunalen Baugeschichte erhalten und aufgewertet werden, ohne den Gebäudetyp „Plattenbau“ durch ein Gestaltungskonzept grundlegend in Frage zu stellen. Die technische Aufwertung der Bausubstanz soll nicht mit einer Modifikation oder Entfremdung des Gebäudetyps, sondern mit einer durch energetische Zwänge erforderlich gewordenen gebäudetypischen Weitergestaltung einhergehen.

Erhöhung der Wohnqualität

Auch externe Faktoren wie die Optik eines Gebäudes tragen zum Wohlfühlen in einem Wohngebiet bei. Aus diesem Grunde soll das Konzept den Ansprüchen an eine gesundes und ergonomisches Wohnumfeld gerecht werden.

Städtebauliche Verortung, Verjüngung des Stadtbildes

Das Konzept soll dem landschaftlichen und städtischen Umfeld gerecht werden. Dies bedeutet, daß ein Plattenbaugebiet mit eigener optischer Identität selbstbewußt und mit positiver Assoziation als eindeutiger Verortungspunkt in der stadträumlichen Wahrnehmung erscheinen darf und soll. Eine zeitlos moderne Gestaltung sollte einen positiven Impuls für das Stadtbild geben und zeigen, dass auch eine kleine Stadt wie Reichenbach für moderne Baukultur offen ist.

Optischer Erhalt des Gebäudeentwurfs

Die modulare und zeitlos funktionierende Plattenbau-Architektur mit ihrer nach wie vor bestehenden Existenzberechtigung soll sich selbstbewusst und typgerecht darstellen. Das Kaschieren und der Versuch einer optischen Anpassung an spätere Trends soll tunlichst vermieden werden.

Kostengünstige Umsetzung

Der technische  und damit finanzielle Aufwand zur Sanierung der Fassaden soll trotz der genannten Ansprüche und Ansätze nicht wesentlich über dem herkömmlicher Gestaltungsansätze liegen. So soll sich das Konzept auf den Umgang mit Putz und Farbe beschränken.


IDEENENTWICKLUNG UND UMSETZUNG

Konzeptionelle Tiefe

Die Gestaltungsidee stellt konzeptionell und inhaltlich einen direkten Zusammenhang zwischen Mensch, Natur und Architektur her: Die geschaffenen Fassaden berufen sich sowohl strukturell als auch farblich auf ästhetische Grundsätze und Wahrnehmungen. Strukturell, indem sie die Proportionen und aus natürlichen Proportionierungen aufgegriffenen (und deshalb das menschliche Empfinden für Ästhetik berührenden) Gestaltungsgrundsätze, die das Gebäude formal bestimmen, aufgreifen und fortführen. Farblich, indem sie die nach harmonischen Mustern und von Le Corbusier auf menschlichem Farbempfinden aufgebauten Farbskalen wiedergeben.

Gestalterischer Mehrwert

Das Konzept hebt sich durch seine konzeptionelle Tiefe stark von bisherigen regional angewandten Farbgestaltungen ab und hat das Potenzial, den Bewohnern eine Möglichkeit zur Identifikation mit ihrer Wohnsituation zu geben. Das Konzept wertet die Wahrnehmung des Gebäudetyps „Plattenbau“ zudem stark auf und separiert ihn vom Image des bunt bemalten Betonklotzes, gibt Ihm Zeitlosigkeit und Zeitgeist zugleich. Eine Aufwertung findet somit auch in wirtschaftlicher Hinsicht statt - das Bewohnen eines solchen Blocks wird attraktiver.

Das Konzept am Gebäudetyp „Plattenbau“

Das Konzept respektiert und wahrt den Gebäudeentwurf, stellt seine Art der Nutzung und seine Berechtigung nicht in Frage. Seine äußerliche Homogenität wird nicht kaschiert, sondern als elementarer Bestandteil des eigentlichen modularen Gebäudekonzepts beibehalten. Als weiße Landmarken im Grünen mit farblichem und proportionsmäßigem Brückenschlag zwischen Mensch, Natur und Architektur können sie das Stadtbild prägen und den anders gearteten Umgang mit der Problematik sanierter Plattenbaufassaden selbstbewusst nach außen tragen. Das kann zwar kontrovers sein, durch die vermeintliche Streitbarkeit aber zum einen durchaus Impulse zur Verjüngung und Modernisierung des Stadtbildes geben und zum anderen die Attraktivität und damit die Vermietbarkeit erhöhen.

Kosten

Der technische  und damit finanzielle Aufwand zur Sanierung der Fassaden ist nicht wesentlich höher als bei bisher angewandten Gestaltungskonzepten. Die Verwendung einer Putzfassade als preiswerteste Alternative der Fassadenbeschichtung ist ohnehin geboten, geringe Mehrkosten sind lediglich durch die Art des Farbanstriches und durch den geringfügig höheren Aufwand bei der Verwendung unterschiedlicher Putzarten zu erwarten - diese werden aber durch den geschaffenen gestalterischen und ideellen Mehrwert kompensiert.


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